Tōkyō

Vom kleinen Bahnhof Shimoyoshida geht die Zugreise los. Es ist der Local Train und wir müssen dreimal umsteigen, bis wir Tokio erreichen. Die Bahnstation ist Shibuya, bekannt durch die Kreuzung über die täglich tausende von Menschen laufen. In den Abendstunden manchmal bis zu 15000 auf einmal. Außerdem befindet sich hier auch das Denkmal von Hachiko, dem treuen Hund, der auch Jahre nach dem Tod seines Herrchens zum Bahnhof lief, um diesen abzuholen und dem für seine Treue ein Denkmal gesetzt wurde. Zu Fuß gehen wir zum Mustard Hotel, ein moderner Bau mit über 100 Zimmern. Es ist ein Hotel und Hostel in einem, mit Schlafsälen und auch kleinen Doppelzimmern, alles mit Gemeinschaftsbad. Der Flur mit zig Türen, alles in kaltem Weiß sieht aus, wie in einer Anstalt und verleitet uns zu einem verrückten Fotoshooting. Wir stärken uns im Hotelrestaurant mit westlicher Küche. Das Viertel gehört zu Shibuja, liegt aber abseits der belebten Straßen. Es gibt in der Nähe einige nette Kneipen, Second Hand Läden und noble Boutiquen. Am nächsten Morgen ziehen wir in unser Hotel nach Asakusa um. Wir haben es schon von Münster aus gebucht, was gut war, denn hier sind die Hotels voll und zu diesem Zeitpunkt deutlich teurer. Asakusa liegt in Taitō. Unser Weg zum Hotel führt durch die große Anlage des Sensō-ji Tempel, Tokios ältestem und bedeutendstem Tempel. Rund um die Anlage befinden sich Verkaufsstände, traditionelle Geschäfte und Restaurants. Es ist beeindruckend, wie sauber die Städte in Japan sind. Selbst in dieser Millionen Stadt liegen keine Papierchen, Kippen oder Sonstiges auf Gehwegen und Straßen. Es gibt so gut wie keine öffentlichen Mülltonnen, nur einige Tonnen für Plastikflaschen. Der Müll wird zu Hause entsorgt.

Wir erkunden die Gegend und machen eine Flussfahrt auf dem Sumida. Das Boot muss unter einigen Brücken hindurch fahren, leider sind die meisten eingerüstet. Von Weitem sehen wir die Rainbow Bridge und nehmen uns vor, ihr an einem Abend, wenn sie beleuchtet wird, einen Besuch abzustatten. Abends essen wir Sushi in der Nähe des Hotels. In der Umgebung gibt es viele Restaurants, oft ist man überrascht, was sich hinter den geschlossenen Türen befindet. In vielen Gaststätten darf geraucht werden, das auch ausgiebig genutzt wird.

Online haben wir uns Tickets für den Skytree besorgt und können so die lange Schlange am Eingang umgehen. Es ist der 2012 erbaute, 634 Meter hohe Fernsehturm und damit das zweithöchste Bauwerk der Welt. Hier halten wir uns drei Stunden auf, fahren und laufen auf die unterschiedlichen Aussichtsetagen. Der Himmel ist blau und man hat eine überragende Sicht über die Stadt. Am späten Nachmittag treffen wir im Gyoen Park ein, er liegt im Stadtviertel Shinjuku und in diesem Jahr blühen noch bis Ende April die Kirschbäume. Leider sind wir erst kurz vor Schließung dort, erhalten aber dennoch eine Idee davon, wie die Japaner ihre Hanami-Partys feiern. Auf Kunststoffdecken wird ausgiebig gepicknickt. Ein Brauch, der zur Kirschblütenzeit in Japan weit verbreitet ist.

Die Strecken zwischen den einzelnen Stadtteilen und den Orten, die wir sehen wollen, sind weit. Das Bahnnetz ist aber extrem gut ausgebaut. Manchmal ist die Beschilderung verwirrend und wir verlaufen uns in den riesigen Bahnhöfen. Die Bahnen sind meistens sehr voll und viele Japaner anscheinend oft müde. Sie schlafen oder schauen auf ihre Handys. Es ist leise in den Zügen. Gesprochen wird wenig, wenn nur im Flüsterton, das Handy muss auf lautlos gestellt sein und telefonieren ist nicht erlaubt. Hinweisschilder unterweisen die Reisenden. Abends finden wir durch Zufall ein Restaurant, das japanische Spezialitäten serviert. Wir bestellen Wagyu Steak, auch bekannt als Kobe Rind. Auf einem Tischgrill bereitet man sich das zarte Fleisch selbst zu. Die Tische sind mit Vorhängen oder leichten Schiebetüren voneinander getrennt. Auch hier gibt es Plätze auf dem Fußboden. Damit man nicht die ganze Zeit kreuzbeinig oder auf den Fersen sitzen muss, ist unter dem Tisch ein Kasten eingelassen, in dem die Beine baumeln können. Am Sonntag unternehmen wir einen Ausflug nach Shimoshikazawa. Der Stadtteil hat eine große Auswahl an Second Hand Läden, Plattenläden und Cafés. Das Wetter ist toll und es ist schade, dass es so gut wie keine Gastronomie mit Außensitzgelegenheiten gibt. Eine Zeit lang ziehen wir durch die engen Straßen, stöbern im Plattenladen und staunen über die hohen Preise in den Second Hand Läden. Den späten Nachmittag und Abend verbringen wir in Odaiba, einem relativ neuen Viertel von Tokio. Es liegt am Fluss und hat einen Strand mit Promenade und SB-Restaurant unter freiem Himmel. Von der angrenzenden Shopping Mal kann man die Rainbow Bridge sehen, die in den Abendstunden in weißes Licht getaucht und mit grünen Lämpchen zum Leuchten gebracht wird. Wir haben Lust auf westliches Essen und bestellen Pizza. Der Cappuccino ist sehr lecker, Kaffee ist wirklich etwas, das mir in Japan fehlt. Es ist Wahlsonntag und mit einem durchdringenden Glockenton werden die Ergebnisse über Lautsprecher mitgeteilt. Für die Ausländer folgt der Hinweis auf Englisch, dass es sich nicht um einen Notfall handelt. Leider gibt es das im Internet versprochen Farbspektrum an den Brückenpfeilern an diesem Abend nicht und wir machen uns auf den Heimweg. Unseren letzten Tag starten wir mit einer Zugfahrt rund um den inneren Kern von Tokio. Mit dem Railpass können wir die Yamanote Line umsonst benutzen. Sie verbindet die wichtigsten Bahnhöfe der Stadt miteinander. Wir gönnen uns eine Pause im Yogy Park und legen uns auf die grüne Wiese inmitten von hohen Bäumen. Ein letztes Mal wollen wir Tokio von oben sehen, diesmal in der Dunkelheit. Die Möglichkeit bietet sich in der Nähe des Parkes, auf dem höchsten Rathaus der Welt, dem Government Building. Natürlich haben wir diese Idee nicht allein und müssen uns erst noch 30 Minuten in die Warteschlange stellen. Vom 45. Stockwerk, in dem die Aussichtsplattform eingerichtet ist, schauen wir auf die erleuchtete Stadt. Der Heimweg führt uns erneut durch die fast leere Tempelanlage des Sensō-ji Tempels. Wir sind neugierig, was sich in den kleinen Schubladen befindet und studieren die Anweisungen. Es sind die Fächer der Wahrsagerei Omikuji. Für 100 Yen zieht man eine Nummer, die auf eine Schublade hinweist. Darin liegen Zettel auf japanisch und englisch, die dir die Zukunft voraussagen. Ist die Voraussage gut, nimmt man den Zettel mit nach Hause, ist sie schlecht, wird sie direkt an ein Geländer in der Nähe gehängt, um das Übel abzuwenden. Beglückt durch die gezogenen Prophezeiungen und mit all den gewonnenen Eindrücken verabschieden wir uns von Tokio. 

Sayonara Tōkyō, Sayonara Japan!

1 Comment

  1. Hallo ihr zwei, auch euer Reisejournal aus Tokio und die Bilder sind richtig richtig gut! Ich habe wieder was gelernt. Das solltet ihr professionell machen, ehrlich!!

    Ganz liebe Grüße
    Michael

    Von meinem iPhone gesendet

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