Kambodscha

Der Flug nach Siem Reap in Kambodscha dauert ca. zwei Stunden. Als wir das Flugzeug verlassen, schlägt uns eine unfassbare Hitze entgegen. Wieder Visa on arrival, diesmal werden unsere Dollarnoten anstandslos genommen. Die offizielle Währung in Kambodscha ist der Riel, bezahlt wird aber mit Dollar. Hier scheint alles gut organisiert. Wir buchen das Taxi ordnungsgemäß an einem dafür vorgesehenen Schalter. Der Fahrer bietet uns gleich seine Fahrdienste zu den Tempeln an und wir vereinbaren, ihn zu kontaktieren. Unser Hotel liegt in einem tropischen Garten. Es ist hübsch und etwas abseits der lauten Straßen, dennoch zentral. Erst einmal kämpfen wir gegen die zahlreichen Mücken im Zimmer, auch sie lieben das feuchtwarme Klima. Die Moskitonetze werden aus dem Gepäck gekramt und aufgehängt. Beim anschließenden Abendspaziergang sehen wir die Menschen bei sportlichen Aktivitäten. Auf Plätzen wird geturnt und zu Popmusik Aerobic praktiziert.

Die Hitze ist so heftig, dass wir den ersten Tag komplett im Hotel am Pool verbringen. Wir planen unseren Besuch von Angkor Wat, den umliegenden Tempeln und verabreden uns mit Mr Roy, unserem Taxifahrer. Pünktlich um 05.00 Uhr steht er am nächsten Morgen vor der Tür. Zuerst geht es zum Ticketoffice. Die Straßen dorthin sind bereits dicht und wir sind erstaunt über die Menschenmassen vor den Schaltern der Ticketausgabe. Wir entscheiden uns für ein Tagesticket. Angekommen in Angkor Wat stellt sich die Frage, ob wir uns mit unzähligen Touristen den Sonnenaufgang anschauen wollen oder nicht. Die Szenerie schreckt uns eher ab, außerdem erscheint der Himmel trüb und so gehen wir schon Richtung Lotustürme. Das ist eine kluge Entscheidung und wohl die einzige Zeit des Tages, an dem wir fast alleine im Tempel sind. Das 8. Weltwunder ist der Stolz der Khmer und gehört sicher weltweit zu den eindrucksvollsten Stätten des Altertums. Es ist das größte religiöse Gebäude der Welt. König Suryavarman II (1113 – 1150) errichtete den Tempel. Er war ein Anhänger der Hindu-Gottheit Vishnu und weihte ihm diesen Tempel. Angkor Wat ist Teil einer großen Anlage mit einer Vielzahl historischer Bauten. Angkor Thom ist hier der größte Tempel. Er ist unser nächstes Ziel, nachdem wir ca. zwei Stunden über die alten Steine und Treppen gelaufen sind und die wunderschönen Reliefs an den Wänden betrachtet haben. In Angkor Thom besichtigen wir den Bayon, mit seinen meterhohen in Stein gemeißelten Gesichtern. Es sind ungefähr 200, die auf den 37 Türmen des Tempels zu sehen sind. Ein faszinierender Anblick. Weiter geht’s nach Ta Prohm. Das ist die dritte Tempelanlage, die wir uns heute anschauen. Die Natur hat diesen Tempel fest im Griff. Würgefeigen umklammern mit ihren riesigen Wurzeln die alten Gebäude. Es ist fantastisch und geheimnisvoll. Man hat diese Stätte so belassen, wie man sie im 19. Jahrhundert bei der Wiederentdeckung Angkors vorgefunden hat. Die Hitze macht uns zu schaffen und wir lassen uns gegen Mittag zurück zum Hotel bringen. Die restlichen zwei Tage verbringen wir im Urlaubsmodus, ausruhen, schlafen, schwimmen, essen. Wir speisen lecker in vegetarischen Restaurants und statten auch der „Pub Street“ einen kurzen Besuch ab. 

Phnom Penh, die Hauptstadt von Kambodscha, ist unser zweiter Stopp. Hier gönnen wir uns den Luxus eines wirklich schönen Hotels in der Innenstadt. Mittlerweile haben wir uns wieder an die hohen Temperaturen gewöhnt. Die Sehenswürdigkeiten sind theoretisch alle zu Fuß zu erreichen, das Tuk Tuk ist aber eine gute Alternative, zumal die Bürgersteige zugestellt sind mit Garküchen, Autos und unzähligen Motorrollern. So viele Roller haben wir bisher in keiner Stadt gesehen. Roller bestückt mit drei Erwachsenen, oder Mutter, Vater, zwei Kindern, oder zwei Frauen und zwei Babys, oder Schulkindern und Studenten, erkennbar an den Uniformen… und los geht’s, meistens ohne Helm und oft mit dem Handy in der Hand. Wir können nur staunen. Gleich am ersten Tag treffen wir Saigh, einen Tuk Tuk Fahrer, der uns in den nächsten Tagen zu verschiedenen Orten bringt. Sein Standort ist direkt vor dem Hotel. Abends sitzt seine Familie oft bei ihm im Tuk Tuk, wenn er keine Fahrten hat. Seine kleinen Kinder heißen Diamond, Gold und Lucky. Saigh ist sehr sympathisch und zurückhaltend. Vorsichtig steuert er uns durch den dichten Verkehr. An Kreuzungen kann es passieren, dass die Fahrzeuge von allen vier Seiten in die Mitte fahren. Während uns der Atem stockt, lösen die Beteiligten die Situation ohne eine Miene zu verziehen, zu hupen oder zu schimpfen, voll konzentriert und friedlich. Wir sind schwer beeindruckt. Zunächst suchen wir ein Reisebüro auf und beantragen ein Visum für Vietnam, um mehr Zeit, als nur 15 visafreie Tage zu haben. 

Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Tuol-Sleng-Genozid-Museum, das vormalige Gefängnis S-21 der Roten Khmer. Ein Audio-Guide informiert uns über die grausamen Geschehnisse kambodschanischer Geschichte von 1975 bis 1979. Es ist erschütternd! Wir lassen uns zu den etwas außerhalb liegenden „Killing Fields“ bringen, wo die Inhaftierten von S-21 nach monate- oder jahrelanger Folter und Qual getötet wurden. Erneut ein Ort unfassbaren Grauens. Diese Eindrücke müssen wir erstmal verarbeiten. 

Unseren Hochzeitstag lassen wir ruhig angehen. Den Abend verbringen wir in der Bassac Lane. Zwei neuseeländische Brüder haben in einer Gasse einige kleine Bars eingerichtet. Von gemütlich bis stylisch ist alles vertreten. Der letzte Tag in Phnom Penh ist wieder gefüllt mit Sightseeing. Wir besuchen den Wat Phnom. Er liegt auf einem 27 Meter hohen Hügel. Hier wird neben zahlreichen Buddah-Statuen auch die Statue einer Frau verehrt. Es ist Frau Phen, die Namensgeberin der Stadt. Der Legende nach, fand die wohlhabende Witwe Penh fünf Buddah-Statuen am Ufer des Mekong. Sie ließ in der Nähe ihres Hauses einen Hügel (Hügel heißt auf Khmer Phnom) anhäufen und einen Tempel errichten, der die Statuten beherbergte und gab ihm den Namen Wat Phnom Penh. Auch hier stehen die kleinen Geisterhäuser, die den Verstorbenen gewidmet und uns auch schon aus Thailand und Laos bekannt sind. Räucherstäbchen stecken davor in sandgefüllten Schälchen. Wer im Tempel mit den Räucherstäbchen gebetet hat, bringt sie manchmal anschließend dorthin, um den Toten zu gedenken.

Wir statten dem Zentralmarkt einen Besuch ab. Der gelbe Bau im Art déco Stil wurde von französischen Architekten entworfen und in den Jahren 1935 bis 1937 gebaut. Von 2009 bis 2011 wurde er komplett renoviert. Er bietet zahlreichen Verkaufsständen Schutz vor Sonne und Regen. Zu kaufen gibt es hier so gut wie alles! Abends laufen wir zum Unabhängigkeitsdenkmal und werfen einen letzten Blick auf die bunt erleuchteten Straßen.

Mit dem Bus verlassen wir Kambodscha und überqueren die Grenze nach Vietnam. 

 

 

3 Comments

  1. Alles Liebe nachträglich zum Hochzeitstag! Oh ich kann mich Bruno nur anschließen! Das macht Lust auf Kambodscha! Ich bin schon gespannt auf Vietnam ;)!

    Eine schöne Zeit weiterhin!

    liebe Grüße
    Steffi

  2. Herzlichen Glückwunsch noch zum Hochzeitstag! Erstaunlich, dass es dort jetzt so heiß ist. Ich habe Kambodscha und Vietnam mit den angenehmsten Temperaturen in Erinnerung (vergleichen mit Singapur und vor allem Malaysia), aber wir waren auch zwei Monate früher im Jahr dort.
    Gute Reise weiterhin und
    liebe Grüße
    Gela

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