Sabaidee Lao

Der Wecker klingelt um sechs, damit wir noch genug Zeit für die Morgenmeditation haben. Die Hotelbesitzer, ein sehr nettes Paar, haben ein kleines Frühstück für uns vorbereitet. Dann muss alles ganz schnell gehen. Wir werden mit einem Kleinbus abgeholt. Auf dem Weg werden noch weitere Touristen eingesammelt und los geht es zur Grenze von Thailand nach Laos. 60 US-Dollar kosten die Visa on arrival. Unsere Scheine sind alt, etwas eingerissen an den Seiten und schmutzig. Damit dürfen wir nicht bezahlen, und wir müssen laotische Kip am Automaten ziehen. 1000.000 Kip sind 100 Euro. Ein Kleinbus bringt uns zum Slowboat. Es ist aus Holz, ca. 40 Meter lang, 5 Meter breit und sehr gemütlich. Etwa eine Stunde lang haben wir noch flussabwärts Thailand auf der rechten und Laos auf der linken Seite, dann lassen wir Thailand ganz hinter uns. Mit uns reisen Kanadier, Amerikaner, Schweizer, Australier und zwei weitere Deutsche. Wir sind insgesamt eine Gruppe von 20 Personen, begleitet von einem Guide und einer sehr netten Crew. Auf dem Boot ist Platz genug. Jeder kann es sich gemütlich machen. Vor dem Mittagessen steuern wir ein laotisches Dorf an. Kinder erwarten uns am Ufer und verkaufen selbstgemachte Armbänder. Einige ältere Mädchen können ein paar Worte Englisch. Unser Guide führt uns den Hügel hinauf ins Dorf. Wir sehen die große Armut um uns herum. Holzhütten kreuz und quer, überall liegt Müll, dazwischen einige dunkle Hausschweine, die im Matsch wühlen. Die Erwachsenen sind sehr reserviert und ziehen sich vor uns zurück. Sieht man zufällig jemanden vor der Tür sitzen, gibt es keine Reaktion auf ein Lächeln. Wir sind beschämt und kommen uns vor wie im Zoo. Die Dorfgemeinschaft erhält wohl etwas Unterstützung dafür, dass sie es erträgt, jeden Tag von Touristen aus aller Welt begafft zu werden.

Für unser Mittagsmahl wird auf dem Schiff gesorgt. Wir zwei sind die Einzigen, die vegetarisch essen und erhalten als erstes vier Schüsseln mit Köstlichkeiten. Kulinarisch scheint es hier ähnlich zu sein, wie in Thailand. Am Nachmittag erreichen wir Pakbeng, einen kleinen Ort am Ufer des Mekong. Die Gruppe kommt gemeinsam in der Riverside Mekong Lodge unter. Wir gehen in ein Restaurant am Fluss, während der Rest der Gruppe den örtlichen Markt erkundet und eine Menge laotischen Schnaps konsumiert. Dementsprechend müde und verkartet sind einige von ihnen am nächsten Morgen. Früh geht es weiter, um 08.00 Uhr legt das Boot ab. Auch heute fahren wir ein Dorf am Ufer des Flusses an. Aufgrund der gemachten Erfahrungen, sind wir nicht sicher, ob wir aussteigen möchten, doch dann hören wir, dass es sich um ein Dorf von Weberinnen handelt. Es ist eine größere Siedlung mit stabilen Holzhütten. Die Kinder erwarten uns schon. Diesmal sind auch die Erwachsenen da! Die Frauen verkaufen wunderschöne handgewebte Tücher. Die Webrahmen stehen geschützt unter Strohdächern. Teilweise sind auch maschinell gefertigte Tücher dabei und auf den ersten Blick ist kein Unterschied zu erkennen. Eine junge Frau, die Englisch spricht, weist uns darauf hin und zeigt uns, woran wir es erkennen. Die Tücher sind sehr hübsch und wir können nicht widerstehen, wie die meisten von uns. Am Nachmittag fahren wir die Pak Ou Höhlen an. Sie liegen ca. 25 km vor Luang Prabang und beherbergen hunderte Buddah-Statuen. Für die Buddhisten ist das hier eine wichtige Pilgerstätte. 

Und dann ist sie auch schon zu Ende, unsere Fahrt über den Mekong! Der Fluß, der für die Menschen hier und in den angrenzenden Ländern die Lebensader ist. Hier wird gefischt, gebadet, gewaschen und sich fortbewegt. Zwei Tage waren wir ein Teil davon, mal schnell, mal langsam, vorbei an steinigen und sandigen Abschnitten. Berge und Dschungel rechts und links. Ein großartiges Erlebnis! Wir verabschieden uns von unseren Mitfahrern und werden zu unseren Unterkünften gebracht. Am Abend machen wir uns einen ersten Eindruck von Luang Prabang und sind sofort begeistert. Stadt der tausend Tempel, so wird sie auch genannt, die einstige Königsresidenz von Laos. Allein im historischen Zentrum stehen 34 Tempel dicht neben den alten, teilweis wunderschönen Kolonialbauten der Franzosen. Seit 1995 UNESCO-Weltkulturerbe. In Laos wird Luang Prabang unsere einzige Station sein. Wir entscheiden uns gegen die Besuche von Vang Vieng und Vientiane. Die Anreise mit Bussen soll abenteuerlich sein und wir wollen uns das nicht zumuten. Also haben wir Zeit für diese Stadt, die so viel zu bieten hat. Zufällig finden wir am Morgen als erstes den Wat Paphaisisaiyaram. Klein und fein liegt er im Sonnenschein hinter einer Hecke. In einem Nebengebäude entdecken wir hunderte bunte Laternen, in Form von Blumen, die auf das Lichterfest im Oktober warten und dann den Innenhof schmücken.

Wir erklimmen den Mount Phou Si, einen 100 Meter hohen Hügel. Er befindet sich auf der Altstadthalbinsel, den Mekong auf der einen, den Nahm Kahn River auf der anderen Seite. Von beiden Seiten führen Treppenstufen nach oben. Auf dem Weg befinden sich zahlreiche große Buddah-Statuen. Von hier hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt. Der Wat Chom Si, mit seiner 20 Meter hohen, goldenen Stupa, thront über allem. Einen Brauch, den wir schon in Thailand beobachtet haben und befremdlich finden, begegnet uns hier oben wieder. Kleine Vögel in winzigen Bastkörbchen werden für umgerechnet 4 Euro als Opfergaben verkauft. Man lässt sie dann mit Gebeten frei. Es sind noch viele Körbchen gefüllt und die kleinen Piepmatze müssen, jetzt am Abend, wohl bis zum nächsten Tag warten, in die Freiheit entlassen zu werden! Am Fuße des Mount Phou Si, den wir über die Treppe wieder verlassen, liegt hinter den Ständen des Nachtmarktes der Wat Ho Phra Bang, der Teil des Palastmuseums ist. Hier steht eine kleine Berühmtheit. Es ist die wichtigste Statue des Landes. Der 83 cm hohe Phra Bang wacht seit dem 16. Jahrhundert über Luang Prabang und gab der Stadt ihren den Namen.

Unsere Unterkunft steht inmitten einer Baustelle. Arbeitsbeginn 06.30 Uhr. Zum Glück haben wir nur 2 Nächte gebucht und ziehen um in einen anderen Teil der Stadt. Fußläufig ist alles nah beisammen, die Altstadt ist nicht sehr groß. Es gibt hübsche Straßen mit kleinen Geschäften, netten Restaurants und Bars. Die Happy Hour beginnt schon am Nachmittag und eine von Franzosen geführte Bar hat guten Wein.

Die Laoten sind freundliche Menschen. Sie sind zum Teil sehr arm, was auch in der Stadt zu sehen ist. Hütten mit Wellblechdächern stehen neben schickeren Steinhäusern. Die meisten davon sind Hostels oder Hotels. Mit dem Fahrrad radeln wir rund um die Altstadt. Wo sich der Mekong und der Nahm Kahn River treffen, steht auch der Wat Xieng Thong, der älteste Tempel der Stadt. Er wurde 1560 erbaut. Sein geschwungenes Dach soll an eine Henne erinnern, die ihre Flügel schützend über ihre Küken breitet. Der Buddhismus ist hier sehr spürbar. Orangefarbene Roben hängen zum Trocknen zwischen den Tempeln, gegen Abend ertönen die Trommelschläge der Mönche und kurz darauf ihre Gesänge.

Am vorletzten Tag stehen wir um 05.00 Uhr auf, um uns den Tak Bat anzuschauen, den Almosengang der Mönche der Stadt. Die Hauptstraße wird von vielen kleinen Hockern gesäumt. Wir haben schon gelesen, dass die Touristen sich an der Zeremonie beteiligen und sich unter die Einheimischen mischen, um den Mönchen auch eine Portion Reis zu geben. So ist es wirklich. Für ein Foto ist den Leuten alles recht. Es sieht aus, als wären die Hocker nur für Touristen aufgestellt, die einheimischen Frauen sitzen auf dem Boden. Wir halten uns diskreter auf der anderen Straßenseite auf. Es macht alles den Eindruck einer Touristenattraktion, die es aber auf keinen Fall sein soll. In kleinen Gruppen, je  nach Tempelgemeinschaft, ziehen die Männer und Jungen vorbei. Sie dürfen keiner Arbeit nachgehen und sind so auf die Spenden der Menschen angewiesen. Es wird hell und die Mönche gehen zurück in ihre Tempel. Irgendwie sind wir froh, dass es vorbei ist. Mit gemischten Gefühlen und etwas verfroren treffen wir zum Frühstück im Hotel ein. 

Der Mekong lässt uns nicht los. Am späten Nachmittag machen wir eine Bootsfahrt in den Sonnenuntergang auf der „Sunset Cruise“. Eingebettet in eine wunderschöne Landschaft schlängelt sich der Fluss in der Abendsonne.

Unser letzter Tag in Luang Prabang bricht an. Am Abend haben wir bereits einen Tuk Tuk Fahrer gefragt, ob er uns zum Kuang Si Wasserfall bringt. Pünktlich um 08.30 Uhr holt er uns am Hotel ab. Die Anfahrt dauert ungefähr eine Stunde. Wir fahren durch kleine Orte. Die Menschen arbeiten auf den Feldern und sind mit Macheten unterwegs, um Gestrüpp und Unkraut am Wegesrand zu beseitigen. Die Fahrt geht über Stock und Stein, jetzt bekommen wir eine Vorstellung von den Straßenverhältnissen. Landschaftlich ist es sehr schön! Der Kuang Si Wasserfall befindet sich in einem Naturschutzpark. Direkt am Eingang ist das Kragebärenreservat. Diese Bären wurden (und werden) in Laos und in anderen südostasiatischen Ländern gefangen und gequält, da man glaubt, dass ihre Gallenflüssigkeit Heilkräfte hat und die für die Herstellung von Medizin verwendet wird. Der Eintritt in den Park ist gleichzeitig Unterstützung für den Lebensunterhalt der Tiere. Es wird behauptet, dass der Kuang Si der schönste Wasserfall in Südostasien sei. Und wirklich, imposant stürzen die Wassermassen den Berg hinunter und bilden auf ihrem Weg ins Tal türkisfarbene Wasserbassins, in denen man baden kann. Das Wasser ist allerdings eiskalt und nur wenige Besucher wagen sich an diesem Morgen hinein. An unserem letzten Abend bummeln wir dann doch noch über den Nachmarkt. Hier gibt es tausende Souvenirs für die Touristen. Unter anderem auch handgefertigte Dinge aus der Umgebung. Außerdem entdecken wir Schlüsselanhänger und anderes Souvenir aus Metall, hergestellt aus Bombenresten, die überall im Land verteilt gefunden werden. Wir hatten ja keine Vorstellung davon, wie viele Bomben die Amerikaner zwischen 1964 und 1973 über Laos abgeworfen haben. Wir recherchieren über den „Secret War“, der im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg steht, aber weitgehend vor der Weltöffentlichkeit geheim gehalten werden konnte. Der laotische Bürgerkrieg, der 1953 begann und in den sich die USA 1964 aktiv einmischte, hatte verheerende Folgen für das Land und die Bevölkerung. Bis 1973 bombardierte die amerikanische Luftwaffe Gebiete, die von Kommunisten kontrolliert wurden. Insgesamt wurden etwa 270 Millionen Bomben über Laos abgeworfen. Mehr Bomben, als die Alliierten im 2. Weltkrieg auf Deutschland und Japan zusammen warfen. Etwa jede dritte davon explodierte nicht und so gibt es unzählige Blindgänger im ganzen Land verteilt. Immer noch werden spielende Kinder, Menschen auf den Feldern oder beim Hausbau schwer verletzt oder getötet, wenn sie darauf stoßen. Im UXOLAO (unexploded ordnance-nicht explodierte Monition) Visitorscenter kann man sich informieren. Diese neuen Erkenntnisse machen uns traurig und nachdenklich. 

Wir verlassen das hübsche Luang Prabang und schmieden schon Pläne, mehr von Laos zu entdecken, wenn die im Bau befindliche Zugstrecke fertiggestellt ist. Die Arbeiten dazu konnten wir bereits auf unserer Tour über den Mekong beobachten.

Ein Taxi bringt uns zum Flughafen und wir starten unsere Reise nach Kambodscha!

1 Comment

  1. Hallo ihr Beiden. Schön das wieder was auf eurer Seite zu lesen ist. Der Bericht von euch regt mich doch zum nachdenken an. Trotzdem tolle Bilder und wirklich eine schöne Gegend. Grüße aus Borken.

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