Chiang Mai

Nach einem schnellen Frühstück brechen wir mit dem Tuk Tuk zum Bahnhof auf. Es steht uns eine zehnstündige Zugfahrt von Ayutthaya nach Chiang Mai bevor. Zunächst fährt der Zug recht flott und nach ca. drei Stunden haben wir schon die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Dann geht es weiter in die Berge und unser Gefährt wird zum Bummelzug! Es wird deutlich, warum wir so viele Stunden brauchen. Wir haben uns bewusst für einen längeren, entspannten Aufenthalt in Chiang Mai entscheiden und lassen Sehenswürdigkeiten wie den Geschichtspark Sukhothai aus, der leider nicht auf dem direkten Weg liegt. Als wir in Chiang Mai ankommen, ist es schon dunkel. Eins der roten Taxis bringt uns zu unserem Hotel. Gilles, ein Franzose, führt das Guesthouse. Er ist Fußballfan und kennt erstaunlicherweise Preußen Münster! Die Unterkunft liegt im Süden der Altstadt. Nach dem Abendessen bummeln wir durch die schmalen Gassen rund ums Hotel. In den Bars sitzen überwiegend europäische ältere Männer, oft mit thailändischen Frauen jeden Alters. Chiang Mai wird stark frequentiert von Sextouristen und wie es aussieht, sind wir hier in einem der Rotlichtbezirke gelandet.

In der Nacht gehen die Temperaturen auf angenehme 19 Grad herunter und auch morgens ist es noch recht kühl. Wir beschließen heute einen ganz gemütlichen Tag zu verbringen und uns erstmal in der Altstadt von Chiang Mai zu orientieren. Die wichtigsten drei Tempel, die nah beieinander liegen, stehen auf dem Programm. Der erste ist der Wat Phan Tao. Er ist komplett aus Teakholz. Die große Gebetshalle wird von 28 massiven Teakholzsäulen getragen. Direkt nebenan befindet sich der Wat Chedi Luang. In der großen Halle hängen unzählige Tung Tao Poeng, bunte Papierstreifen mit goldenen Tieren. Den Tieren sind Jahreszahlen zugeordnet. Acki ist im Jahr der Schlange geboren. Sie steht für Höflichkeit, einen guten Sinn und Vertrauenswürdigkeit. Mein Jahrestier ist die Ziege. Friedensliebe und Freundlichkeit sind ihr zugeschrieben. Auf dem Gelände des Wat sieht man die Ruine des 1441 erbauten, teilweise zerstörten Chedi. Bis 1475 stand in einer östlichen Nische der Smaragd-Buddha, den wir in Bangkok im Wat Prah Kaeo gesehen haben. Eine Nachbildung des von vielen Menschen verehrten Buddahs steht heute an seiner Stelle. Die Stimmung in den Tempeln hier ist eine andere, als in Bangkok. Es ist deutlich ruhiger und gelassener. Den Wat Phra Singh schauen wir heute als letztes an. Es ist der meistverehrte Tempel Chiang Mais. Aus dem Kloster nebenan tönen laute Stimmen. Jungen, verschiedenen Alters laufen über die Balkone. Es ist gleichzeitig eine Schule. Inmitten der Anlage steht ein hoher goldener Chedi. Goldene Elefanten ragen aus ihm heraus. Im hinteren Teil der sehr gepflegten Tempelanlage geht es wieder ruhig zu. Leise erklingt Musik, Glöckchen klingeln im Wind und die Vögel zwitschern. Es findet sich immer wieder ein Platz, um im Schatten zu verweilen. Am Nachmittag wird es heiß. Die Temperaturen klettern jetzt wieder auf 34 Grad. Wir ziehen uns bis zum Abendessen in unsere Unterkunft zurück.

Ein Angestellter des Guesthouses bringt uns am nächsten Tag zum Monk Chat Büro auf dem Gelände der Universität. Wir werden uns für zwei Tage in einen Meditaions-Retreat begeben. Hier im Wat Suan Dok werden wir registriert, kaufen uns weiße Kleidung und es findet die Einführung statt. Ein junger Mönch in weinroter Mönchsrobe empfängt uns. Phra KK ist ein witziger junger Mann. Er ist sympathisch, macht allerhand Scherze und bittet uns, uns vorzustellen. Nach der Vorstellungsrunde, wir sind ca. 40 Personen, erklärt er uns in Kurzform den Buddhismus. Dann geht es los! Fünf rote Sammeltaxis bringen uns hinaus aufs Land zum Trainingszentrum. Wir suchen uns einen gleichgeschlechtlichen Zimmerpartner. Im Kloster wird natürlich getrennt übernachtet. Schnell werden die weißen Klamotten angezogen und dann treffen wir uns in der großen Meditationshalle. Wer es noch nicht wusste, bekommt  die Info, dass ab jetzt keine Unterhaltung mehr stattfinden darf! Wir werden für 24 Stunden schweigen. Nicht ganz, beim Singen der Mantras, beim Danken für unsere Mahlzeiten und bei der Gehmeditation hören wir unsere Stimmen. Das Schweigen tut gut. Niemand kann über Rücken- und Knieschmerzen klagen oder darüber, wie unglaublich schwer es ist, 20 Minuten nur zu atmen und die Gedanken ziehen zu lassen. Gleich zwei Durchgänge hintereinander üben wir im kreuzbeingen Sitz zu meditieren. „Breathing in, breathing out, … stop the monkey mind“, die Gedanken, die wie Affen in deinem Kopf herumspringen! Der zweite Durchgang findet draußen auf dem großen Platz statt. Mindfullness- darum geht es. Achtsamkeit bei allen Dingen, die man tut. Beim Abendessen sitzen wir an langen Tafeln im Speiseraum. Es wird genügend Platz zum Nachbarn eingehalten und es gibt keine Person gegenüber. So bedacht, wie die Meditationen, so achtsam nehmen wir auch unsere Mahlzeiten zu uns. Der Abend endet um 21.30 Uhr, nachdem wir wieder im Sitzen und auch im Gehen meditiert haben. 

Als die Glocke um 05.00 Uhr morgens geläutet wird, entfährt mir ein „Hilfe“, so erschrocken fahre ich aus dem Tiefschlaf hoch. Da fällt mir ein, dass ich nicht sprechen darf. Mehr als 10 Minuten haben wir nicht, um uns fertigzumachen, dann treffen wir uns in der großen Halle. 30 Minuten heißt es Augen schließen, mit geradem Rücken auf dem Kissen sitzen und tief ein- und ausatmen. KK hat Verstärkung von einem jungen Mönch in Orange bekommen. Seinen Namen erfahren wir während des ganzen Aufenthalts nicht. Auch er spricht gut Englisch und erinnert uns immer wieder an wichtige Details beim Meditieren. „Nimm deine Gedanken bewusst wahr, aber folge ihnen nicht. Fühlst du Schmerz oder hörst du ein Geräusch, nimm es als gegeben hin und konzentriere dich wieder auf deine Atmung.“ Vor dem Frühstück, wir haben bereits zwei Stunden mit kurzen Pausen meditiert, weist er uns in die Prozedur der Almosengabe ein. Jeder von uns hat ein Schüsselchen mit Reis und füllt die Schale des Mönchs, der langsam an uns vorbeigeht. Unsere Schälchen benutzen wir danach zum Frühstück, nachdem wir uns besonnen haben, wofür unser Essen bestimmt ist. Es soll unseren Körper gesund halten, uns sättigen aber nicht übersättigen. In dieser kontemplativen Stimmung essen wir schweigend unsere Reissuppe. Ab jetzt beginnt die eigene Praxis. Es findet ein Wechsel zwischen Meditation im Sitzen und der Gehmeditation statt. Immer nach 30 Minuten wird die Glocke geläutet. Ertönt sie zweimal, finden sich alle wieder gemeinsam zusammen. Das Mittagessen ist unsere letzte Mahlzeit. Es gibt ein schmackhaftes Gemüsegericht mit Reis und eine Suppe, die so scharf ist, dass einige von uns verhalten husten. Zum Abschluss lernen wir noch eine dynamische Meditation und dann ist Zeit für die Abschlussdiskussion. Jetzt darf wieder gesprochen werden. Die Mönche beantworten alle Fragen. Auf die Frage, warum es so viele Mönche gibt, ist die Antwort einfach: Das Mönchsleben ist ein gutes Leben. Die Männer müssen sich keine Gedanken über ihre Ernährung oder ihre Kleidung machen. Essen und ihre Roben erhalten sie als Spenden. Sie haben drei Aufgaben. Sie unterrichten, haben soziale Verpflichtungen und kümmern sich um ihre eigenen Belange. Oft entscheiden bereits die Eltern, einen Sohn in den Tempel zu schicken. Die schulische Ausbildung ist topp. Deshalb sieht man verhältnismäßig viele junge Mönche, liebevoll „Babymonks“ genannt. Nachdem alle Fragen geklärt sind, geht alles sehr schnell. Die Taxis stehen bereit und wir haben nur wenig Zeit, uns umzuziehen und unsere Sachen zu packen. 

Wir nehmen uns vor, „Mindfullness“ in unseren Alltag zu integrieren und weiterhin täglich zu meditieren! Relax your mind, relax your Body!

Zurück in Chiang Mai sind wir ganz schön platt von unserer meditativen Auszeit. Für die weiteren Tage haben wir ein Hotel im Nordwesten der Altstadt gebucht. Dieser Teil der Stadt sieht anders aus. Alles ist etwas großzügiger, auch unsere Unterkunft. Wir haben noch zwei volle Tage vor Ort, bevor es weitergeht. Wir nutzen die Zeit für einen erneuten Bummel durch die Altstadt. Auf dem Stadtplan kann man erkennen, dass sie in einem Viereck von einem Wassergraben und Resten der Stadtmauer umgeben ist. Über viele kleine Brücken erreicht man den Kern. Chiang Mai ist nach Bangkok die zweitgrößte Stadt in Thailand. Den Eindruck einer Großstadt macht sie nicht, wenn man sich überwiegend in der Altstadt aufhält. Aufgrund ihrer klimatischen Verhältnisse ist sie unglaublich grün. Um diese Jahreszeit blühen viele Pflanzen und die Bäume zeigen satte Farben. Nicht umsonst wird Chiang Mai „Rose des Nordens“ genannt. Wir laufen durch die staubigen Straßen und gönnen unseren Füßen eine Entspannung in der „Lila Thai Massage“.  Gleich siebenmal gibt es sie in der Altstadt. Es handelt sich um ein von der Regierung unterstütztes Programm, das kriminell geworden Frauen unterstützt, sich zu resozialisieren und in ein besseres Leben zu finden. Die Location ist toll und der Service ebenfalls!

Unseren letzten Tag in Chiang Mai verbringen wir im „Maerim Elephant Sanctuary“. Das Elefantencamp liegt 45 Min von der City entfernt. Im Camp leben fünf Elefanten, einer ist erst drei Jahre alt. Die Tiere werden aus Arbeits- und Touristencamps gekauft, in denen immer noch auf Elefanten geritten werden darf. Manche sind schwer misshandelt worden. Hier werden sie gehegt und gepflegt, respektiert und haben ein besseres Leben. Wir verbringen einen ganz wunderbaren Tag mit den Dickhäutern, füttern sie, baden mit ihnen und lernen eine Menge. Zum Glück gibt es mittlerweile immer mehr dieser Camps für „Hauselefanten“. Das Geld der Touristen ermöglicht es den Einheimischen die Tiere zu retten. Es ist auf jeden Fall eine gute Investition!

2 Comments

  1. Euer Reisebericht ist sehr beeindruckend. Margot ist überwältigt. Besonders von Almuts Schlammbad mit Elefantenbegleitung!!!Liebe Grüße aus Borken und haltet uns auf dem Laufenden.

  2. Ommm Hallo ihr Beiden. Mal wieder ein toller Reisebericht. Warte schon auf den nächsten. Und noch was wenn ihr so weitermacht dann könnt ihr ja den Laden von den Sanjasins auf Gomera übernehmen. Braucht ihr noch einen Hausmeister? Viele Grüße aus Borken

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