Andalucía

Unser Flugzeug landet gegen 19.00 Uhr in Sevilla und der Shuttleservice des Parkplatzes holt uns ab. Etwas unruhig sind wir schon, ob mit unserem Auto und unseren Rädern alles in Ordnung ist. Es ist so und wir fahren in die Stadt. Unser Hotel liegt in der Altstadt und ist mit dem Auto nicht direkt zu erreichen. Wir versuchen so nah wie möglich heranzukommen. Nach einer kleinen Irrfahrt durch die schmalen Gassen, zum Glück gelingt es uns, um die engen Kurven zu kommen, finden wir eine große Straße in der Nähe und halten am Straßenrand. Wir beschließen, dass einer von uns am Auto bleibt, der andere im Hotel eincheckt und wir dann das Auto irgendwo auf einem öffentlichen Parkplatz abstellen. Während wir noch unsere Sachen sortieren, hält ein älterer Herr auf einem Motorroller neben uns und bietet seine Hilfe an. Er heißt Manolo und war früher in der Tourismusbranche tätig und kennt sich in der Stadt gut aus. Für ein Trinkgeld zeigt er uns einen Parkplatz in der Nähe, auf dem jetzt am Abend nicht viel los ist. Der Platz kostet am Tag einen Euro, kassiert wird bei der Abfahrt. Wir sind froh, dass uns die Suche erspart bleibt. Mit den Fahrrädern radeln wir von dort wenige Minuten zum Hotel in der Altstadt. Von hier aus kann man die Sehenswürdigkeiten der Stadt, sowie Restaurants, Tabernas und Tabancos zu Fuß erreichen. Wir dürfen die Räder an einem Gitter vor der Tür anschließen. In den nächsten Tagen erkunden wir Sevilla. Die Kathedrale der Stadt steht als erstes auf dem Plan. Sie ist die größte gotische Kathedrale Spaniens und eine der größten der Welt. Seit 1987 gehört sie zum Weltkulturerbe der Unesco. Durch die wunderschön gestaltete Kirche gelangt man zum Glockenturm, der sogenannten Giralda. Die Giralda ist das Wahrzeichen der Stadt. Von oben hat man einen einzigartigen Blick. Ursprünglich gehörte der Turm zu einer Moschee aus dem Jahre 1184. Sie wurde 1248 zur Kathedrale umgebaut.

Als nächstes machen wir eine Bootstour auf dem Guadalquivir. Die Anlegestelle befindet sich am Torre del Oro, dem goldenen Turm. Er ist aus dem 13. Jahrhundert und war einst ein Verteidigungsturm der Stadt. Vom Fluss aus hat man eine gute Sicht auf verschiedene Sehenswürdigkeiten, wie Brücken und Überbleibsel der Expo 1992. Wir überqueren den Fluss und machen einen Abstecher in das Stadtviertel Tirana, um in einem Tapasrestaurant zu essen. Bei den „Golondrinas“ lassen wir uns überraschen, was der Kellner auf den Tisch bringt. An einem Abend besuchen wir eine beeindruckende Flamencoschow im Casa des Flamenco und sind begeistert von dem ausdrucksstarken Tanz, Gesang und Gitarrenspiel der Künstler. Den darauf folgenden verregneten Vormittag verbringen wir in einem gemütlichen Café. Als sich die Sonne dann später doch noch hervortraut, schauen wir uns den Plaza de España an. Er ist einer der bekanntesten Plätze in Sevilla. Er entstand, weil ein halbkreisförmiges Gebäude für die Iberoamerikanische Ausstellung 1929 gebaut wurden. Vor dem Gebäude, welches mit Marmor und Keramiken versehen ist, befindet sich auch in einem Halbkreis ein Kanal von 515 Meter Länge. Vier Brücken überqueren diesen Kanal und sollen die vier alten Königreiche Spaniens repräsentieren. An der Außenwand des Gebäudes sieht man die 48 spanischen Provinzen, dargestellt auf Kacheln. Man sieht Landkarten, historische Begebenheiten und die Wappen der Hauptstädte jeder Provinz. Wir verlassen Sevilla in strömendem Regen und machen uns auf die Fahrt nach Jerez de la Frontera.

In Jerez haben wir ein Appartement in der Altstadt gemietet. Zum Campen ist es zu kalt und nass und wir beschließen die Campingsaison für dieses Jahr zu beenden. Die Vorhersagen zeigen tagsüber noch warme Temperaturen, nachts aber wird es schon empfindlich kalt um diese Jahreszeit. Jerez ist ein Städtchen auf den zweiten Blick. Mit dem Rad und auch zu Fuß erkunden wir die Stadt und entdecken schöne aber auch verfallenen Ecken. Es ist nicht so touristisch, schlichter und ursprünglicher. Wir besuchen die  Bodega von Gonzales Byass. Melanie, eine quirlige Niederländerin führt uns und ein Pärchen aus Hamburg durch die alten Gebäude und erklärt uns die Herstellung des Sherrys. Abends essen und trinken wir in der Tabanco El Pasaje und kommen in den Genuss einer Flamencoaufführung, die mir die Tränen in die Augen treibt. Faszinierend, wie der junge Mann zu den Gitarrenklängen tanzt. Am Ende des Abends kennen wir alle Sherrysorten. Olé! Meine Favoriten sind die süßen Sorten, während Acki beim Oloroso bleibt. In einer Gasse finden wir zufällig einen Laden mit Flamencokleidern und handgemachten Schuhen für Frauen und Männer. Ich verliebe mich in ein Paar schwarze Flamencoschuhe und kaufe sie. Wir entdecken das Monument der berühmten Flamenco-Tänzerin Lola Flores und trinken einen letzten Sherry in der Tabanco Cruz Vieja. Nach diesen aufregenden Tagen gönnen wir uns eine Nacht in der Nähe von Ronda, in einem umgebauten andalusischen Bauernhof. Das El Horcajo ist gemütlich. Wir verbringen den Nachmittag am Kamin, abends gibt es im hoteleigenen Restaurant etwas zu essen, denn der Ort Montecorto ist etwas weiter entfernt.

Von hier aus brechen wir nach Ronda auf, das ungefähr 20 km entfernt liegt. Die Sonne scheint warm und wir genießen den Bummel durch die hübsche Stadt. Hier sind wieder einige Touristen unterwegs, um sich die Stadt mit der beeindruckenden Lage oberhalb der tiefen El Tajo Schlucht anzuschauen. Die Puente Nuevo ist die berühmte Steinbrücke, die auch wir sehen wollen. Sie wurde im 18. Jahrhundert erbaut, führt über die Schlucht und trennt die Altstadt von dem jüngeren Stadtteil. In der Altstadt steigen wir den Berg hinab, um einen guten Blick auf die dreibögige Brücke zu bekommen. Einige Kletterer sind auch unterwegs und erklimmen die steilen Felswände der Schlucht. In der Neustadt kann man in einem Restaurant ganz wunderbar die Aussicht über die Schlucht genießen. Wir verbringen dort unsere Mittagspause. Dann geht es weiter nach Córdoba.

Unser Hotel liegt ca. 5 km von Córdoba entfernt. Mit den Fahrrädern lassen wir uns die Hügel bis in die Innenstadt hinab rollen. Córdoba ist die drittgrößte Stadt Andalusiens mit ca. 330.000 Einwohnern. Die Altstadt ist recht überschaubar und sehr hübsch. Der Mittelpunkt des historischen Zentrums ist die Mezquita. Sie ist eins der schönsten Bauwerke arabischer Kunst in Spanien. Über den Orangenhof gelangen wir in das Innere der heutigen Kathedrale. Einst war sie eine Moschee, seit der Reconquista eine römisch-katholische Kathedrale. Der Gebetsraum mit über 800 Säulen und 400 zweifarbigen Hufeisenbögen ist beeindruckend. im Jahre 1236 wurde die Moschee zur Kirche geweiht und das Minarett mit einem Kreuz versehen, später wurde es durch den Glockenturm ersetzt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Innere der Kathedrale und somit auch ihre Architektur stetig verändert. Wir verbringen gleich drei volle Tage in dieser schönen Stadt. Wir bummeln durch das Jüdische Viertel und entdecken ein Museum, das Casa de las Cabezas. Es nimmt uns mit auf eine Reise ins Mittelalter  und zeigt uns, wie eine Adelsfamilie zu der Zeit lebte. Zu verschiedenen Tageszeiten laufen wir über die Römische Brücke, die den Guadalquivir überquert. Am letzten Tag statten wir dem Alcázar de los Reyes aus dem 14. Jahrhundert einen Besuch ab. Im Inneren des Palastes befinden sich Gemäuer eines arabischen Bades. Das Gebäude ist eine Mischung aus Palast und Festung und war bis 1492 Sitz der spanischen Könige. Hier trug Christoph Kolumbus König Ferdinand und Königin Isabella sein Vorhaben vor, einen Seeweg nach Indien zu finden.

Von Córdoba fahren wir nach Granada. Wir haben ein Zimmer im Camping Hotel Sierra Nevada gemietet. Der Campingplatz, mit dem sich darauf befindenden Motel, ist nicht weit von der Altstadt und der Alhambra entfernt. Am Freitagmorgen machen wir uns zeitig auf den Weg, zunächst mit dem Bus, dann zu Fuß zur Alhambra. Trotzt aller Tipps aus dem Internet, die Eintrittskarten vorher zu reservieren, versuchen wir unser Glück ohne Reservierung. Für die Alhambra gilt aber, dass immer Hauptsaison herrscht. Es ist alles restlos für das gesamte Wochenende ausgebucht. Online ergattern wir noch zwei Karten für Montag. Die Sonne scheint warm und wir erkunden das Jüdische Viertel gegenüber der Alhambra. Auf einem Platz vor einer Kirche werden gerade die Stühle und Tische herausgestellt. Zu jedem Getränk gibt es Tapas, so das wir kein Mittagessen mehr benötigen. Wir gehen durch enge Gassen und schmale Straßen des Viertels Albaicín bis zum Mirador San Nicolás. Welch ein toller Ausblick auf die Alhambra die gegenüber thront. Im Hintergrund erstreckt sich, teilweise schneebedeckt, die Sierra Nevada. In einer Außengastronomie mit Sofas auf kleinen Terrassen verbringen wir bei warmen Temperaturen den Nachmittag. Am darauffolgenden Tag lassen wir es ruhig angehen. Diesmal gehen wir zu Fuß in die Stadt, finden immer wieder schöne Ecken und staunen über die gut gekleideten Spanier. Es ist Samstag und man merkt, dass die Menschen frei haben. Herausgeputzt und als Paare oder in Gruppen sitzen sie in den Cafés und Bars und lassen es sich gut gehen. In einer stilvollen Weinbar bekommen wir einen Stehtisch an der Außenwand. Auch hier wieder Tapas zu jedem Getränk. Eine tolle Erfindung!

Auf Grund der Planung, die Alhambra am Freitag zu besuchen und Granada am Sonntag zu verlassen, hatten wir eine weitere Unterkunft gebucht. Zum Glück nur 40 km entfernt in der Region Guadix, die bekannt für Höhlenwohnungen ist. Die Cuevas Abuelo José sind Höhlenappartements und gleichzeitig ein Hammam, das auch in eine Höhle gebaut ist. Wir verbringen den Nachmittag im Hammam zwischen dem heißen und kalten Becken, bei Kerzenschein und orientalischer Musik. Es hat zu regnen begonnen, umso gemütlicher ist es später in unserer Höhle. Leider wird aus dem Schauer ein Dauerregen, der auch am nächsten Tag nicht aufhört. Er begleitet uns zurück nach Granada und auch in die schöne Stadtburg Alhambra. Wir stellen uns tapfer in die Schlange für die Nasridenalpäste, dem Herzstück der Alhambra. Hier befanden sich die Privaträume und der Regierungssitz der maurischen Herrscher. Die kunstvoll verzierten Decken und Wände sind wunderschön mit Rankenornamenten, Stuckausschmückungen und Kacheln verziert. Immer wieder muss man den Blick hoch zu den Muqarnas, den Stalaktitengewölben heben. Es ist faszinierend! Wir halten uns lange in den Palästen auf. Am Ende sind wir durchgefroren und retten uns in das Hotel auf dem Gelände, um uns mit einer warmen Suppe zu stärken. Der Regen lässt nicht nach und wir machen uns auf den Heimweg, erneut zum Camping Hotel.

Am nächsten Morgen treten wir die Rückreise nach Hause an. Das Navi führt uns nicht über die Küstenautobahn, wie zunächst geplant. Die Wettervorhersagen sind nicht gut und wir wählen die Autovia del Norte nach Frankreich. Die ersten zwei Nächte verbringen wir in Unterkünften nah der Autobahn. Es zieht uns noch einmal Richtung Atlantik und so machen wie einen Abstecher ins Médoc zu den verschiedenen Chateaus. Wir speisen ganz vornehm in einem Restaurant in Margaux und sind begeistert von der französischen Küche. In Soulac-Sur-Mer wollen wir eigentlich noch eine Nacht verbringen, aber alle Hotels sind bereits geschlossen. Die Fähre bringt uns nach Royan. Am Abend gönnen wir uns den letzten Blick aufs Meer. Der Atlantik hat uns schließlich eine ganze Weile begleitet. Jetzt heißt es Abschied zu nehmen. An einer Péage Station treffen wir auf  friedlich demonstrierende „Gelbwesten“, die an diesem Tag für alle Autofahrer die Schranken geöffnet haben. „Macron paie aujourd’hui „. Über Beaugency und Lille geht es dann endlich nach Münster. Der Weihnachtsmarkt hat bereits seine Buden geöffnet und wir kehren zur Feier des Tages bei Pinkus ein. Zu Hause ist es auch schön!

Wenn ihr jetzt wissen wollt, was das Beste an der Reise war, so lautet die Antwort: Zeit und Muße zu haben, wunderbare Orte zu entdecken und den Menschen in unterschiedlichen Ländern näherzukommen. Was uns am meisten gefallen hat, können wir gar nicht sagen, alles war irgendwie großartig!

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