La Isla Bonita – Puntagorda

Wir reisen mit der Fähre Armas von San Sebastian nach Santa Cruz. Der Weg ist lang, die Fahrtzeit beträgt fünf Stunden, da die Reise über Teneriffa geht. Ein Umweg. Dafür kann man an Deck sitzen und Sonne und Wind genießen. Nach ca. einer Stunde erreichen wir den Hafen von Los Christianos. Die Hotelburgen sind vom Schiff aus gut zu sehen. Die meisten Mitfahrer verlassen die Fähre und wir bleiben oben an Deck alleine.

Die letzten Kilometer nach La Palma liegen auf einmal im Dunkeln und die Insel empfängt uns mit strömenden Regen. Zum Glück haben wir rechtzeitig auf La Gomera die Satellitenkarte von La Palma studiert, und beschlossen ein Auto zu mieten. Vom Schiff aus buchen wir online einen Opel Corsa, der uns am Hafen erwartet. Im Regen und in der Abenddämmerung fahren wir in den Nordwesten nach Puntagorda. Die Fahrt ist anstrengend, die Sicht ist schlecht und der Regen ist nicht gerade einladend. Der Weg führt durch das Landesinnere, durch die Orte El Paso und Los Llanos. Serpentinen schlängeln sich die Berge hinauf und hinunter. Nach ca. anderthalb Stunden erreichen wir unser Ziel. Den Ort Puntagorda und die Straße Calle Topo el Drago. Die Anfahrtsstraße ist so steil, dass der kleine Corsa alles geben muss! Etwas angespannt parken wir vor dem grünen Haus mit dem großen Tor. Das Tor ist nicht verschlossen, den Schlüssel für die Haustür finden wir aber nicht. Es ist bereits dunkel, kalt und nass und wir würden nichts lieber tun, als unser Häuschen zu betreten. Die in unseren Unterlagen angegebene Telefonnummer ist nicht zu erreichen und wir sind einen Moment ratlos. Das Haus wird von verschiedenen Reiseanbietern vermietet und bei La Palma-Travel geht tatsächlich auch am Sonntagabend noch eine nette Dame ans Telefon. Mit etwas Gedankenaustausch finden wir schließlich den Schlüssel im Blumentopf versteckt.

Am nächsten Tag sieht die Welt hier ganz anders aus. La Isla Bonita – so wird La Palma auch genannt und ich verstehe auf den ersten Blick von unserer Terrasse aus, warum. Wir sind von Weinbergen und Kiefernwäldern umgeben. Das Meer, das am Vorabend gar nicht zu sehen war, schimmert blau in der Ferne. Die Luft ist mild und die Sonne scheint warm. Wir fahren hinunter ins Dorf, um einzukaufen und frühstücken dann auf der Terrasse. Am Nachmittag machen wir uns zu unserer ersten Wanderung auf. Direkt oberhalb unseres Häuschens geht ein Wanderweg entlang, der zunächst durch den Wald und später durch die bunten Obst- und Blumengärten hinunter ins Dorf führt. Begeistert pflücken wir die reifen Früchte, die am Wegesrand wachsen. Der Aufstieg zurück ist nicht ohne. Belohnt werden wir aber mit der einzigartigen Aussicht, einem Feuer im Kaminofen, einem guten Essen und einem leckeren Wein von der Insel.

Das Haus in Puntagorda ist für eine Woche gebucht. Wir wollen uns auf der Insel orientieren und schauen, wo es uns gefällt. Gut, dass wir das Auto haben. Mit dem Bus wäre es doch zu beschwerlich, sich auf der Insel zu bewegen. Es gibt drei Hauptverkehrsstraßen auf La Palma. Wir folgen der LP 1 vom Nordwesten in den Süden, um zunächst den Ort Puerto Naos anzusteuern. Puerto Naos ist der größte Badeort im Westen der Insel. Im Sommer verbringen die Einheimischen gerne ihren Urlaub hier. Die Appartementhäuser, Cafés, Bars und Restaurants am schwarzen Lavastrand versprühen keinen kanarischen Charme. Besonders schön ist es nicht und so zieht es uns weiter. Nach nur wenigen Kilometern verändert sich die Landschaft. In Fuencaliente sieht man deutlich, dass La Palma eine Vulkaninsel ist. Den Besuch der Vulkane haben wir im Sinn, heute wollen wir uns nur orientieren. Da tauchen auf einmal die Inseln Teneriffa, La Gomera und El Hierro im Meer vor uns auf. Welch ein Anblick! Auf dem Rückweg machen wir Halt in Puerto de Tazacorte und fühlen uns ans Valle erinnert. Hier werden wir auf jeden Fall eine Ferienwohnung buchen, das steht fest. Der Hafen ist von steil aufsteigenden Lavawänden umgeben. Bananenplantagen säumen die Zufahrtsstraße.

Für den nächsten Tag haben wir uns vorgenommen, den Nationalpark „Los Tilos“ zu besuchen. Diesmal geht es die LP 1 in die andere Richtung. Los Tilos liegt im Nordosten der Insel und der Weg führt durch Los Sauces. Die Kleinstadt liegt auf einem etwa dreihundert Meter hohen Hügel der Insel. Hier im Nordosten bestimmen riesige Bananenplantagen, Obst- und Gemüseanbau das Bild der Landschaft. Im kleinen Stadtkern von Los Sauces, in einer Bar, nehmen wir einen Mittagsimbiss zu uns. Es gibt hausgemachte Tortilla und Pulposalat. Ganz in der Nähe befindet sich das Unesco-Biosphärenreservat „El Canal y Los Tilos“. Auf einer Fläche von mehreren Hundert Hektar wächst hier einer der größten Lorbeerwälder der Welt. Zunächst laufen wir ca. 20 Minuten zu einem kleinen Wasserfall in der Nähe des Besucherzentrums von Los Tilos. Danach begeben wir uns auf einen einfachen Wanderweg, der bis zu einem Aussichtspunkt hinauf führt. 3,5 km geht es stetig aber nicht steil bergauf und der Weg führt durch den dichten Waldbestand. Oben wird es etwas steiler, und dann steigen wir über einen schmalen Pfad zum Aussichtspunkt hinauf. Von hier hat man einen schönen Blick auf die Berge und Täler. Zurück nehmen wir den selben Weg und freuen uns erneut an der Vegetation. Neben den Lorbeerbäumen wachsen verschiedene andere Bäume, Heidekraut und Riesenfarne.

Wir sind sehr beeindruckt von La Palmas Nordosten und beschließen, uns nach einem Ferienhaus in dieser Gegend umzuschauen. Es wird uns auch klar, dass man ohne Auto sehr unbeweglich auf der Insel ist und so beschließen wir, es noch eine weitere Woche zu behalten. Am nächsten Tag buchen wir drei weitere Unterkünfte. Ein Ferienhaus in Barlovento, ein Appartement in Puerto Tazacorte und für die letzten Tage auf der Insel ein Appartement in Santa Cruz. Von dort geht unser Flug über Teneriffa nach Sevilla. Wir machen uns auf den Weg nach Santa Cruz, um die Mietzeit des Wagens zu verlängern, und können uns so einen kleinen Eindruck von Santa Cruz, der Hauptstadt der Insel, verschaffen. Die Stadt ist für ihre jahrhundertealte Architektur bekannt. Wir schlendern eine Weile auf den alten Kopfsteinpflasterstraßen und freuen uns schon auf den Aufenthalt.

Am Freitag wollen wir den „Hafen“ von Puntagorda besuchen. Es gibt einen Wanderweg, der allerdings 10 Kilometer lang ist. Wir fahren ein Stück mit dem Auto, lassen es irgendwo an der Straße stehen und finden den Wanderweg nach unten. Ca. drei Kilometer geht es recht steil bergab, vorbei an Ziegenställen, Kakteen, Mandel- und Feigenbäumen. Die letzten Meter zum Meer führen über ungefähr 300 Treppenstufen. In den Felswänden befinden sich kleine Hütten, Casitas, die den Palmeros als Wochenendhütten dienen. Einst, der einzige Zugang der Fischer zum Meer, ist der Hafen heute ein Erholungsort mit Naturschwimmbecken, das in die Felsen eingelassen ist. Der Rückweg ist verdammt hart für uns. Wir entscheiden, die Straße zu gehen, da der Wanderweg teilweise sehr steil und rutschig ist. Die Straße schlängelt sich nicht auf direktem Wege zu unserem Auto und wir kommen in der Sonne ganz schön ins Schwitzen! Kurz bevor wir unser Auto erreichen, hält ein spanisches Urlaubspärchen und fragt, ob wir Hilfe oder Wasser benötigen.

Unser letzter Ausflug von Puntagorda, geht zum Nationalpark „Caldera de Taburiente“. Dieser Nationalpark liegt im Zentrum der Insel. Der höchste Punkt, auch gleichzeitig der höchste Punkt La Palmas ist der „Roque de los Muchachos“. Wir wollen zunächst zum Aussichtspunkt „La Cumbrecita“. Die Zufahrt ist eigentlich nur gestattet, wenn man sich zuvor online einen der 20 Parkplätze gesichert hat. Da leichter Nieselregen eingesetzt hat und wenige Besucher vor Ort sind, lässt uns die Dame an der Schranke auch ohne Reservierung die schmale Straße hoch zu den Parkplätzen passieren. Oben zeigt sich das Wetter freundlicher und wir machen eine herrliche Wanderung von ca. 1,5 Stunden. Die Wege bis zum Mirador de las Chozas sind breite, gut ausgebaute Waldwege. Vom Aussichtspunkt hat man eine tolle Sicht auf den Pico Bejenado und bei gutem Wetter auf die gesamte Bergkette der Caldera. Ab hier braucht man festes Schuhwerk, denn jetzt gelangt man hinauf in den Kiefernwald. Wir folgen den Wegweisern bis zum Mirador de los Roques. Leider fängt es an zu regnen und wir steigen die letzten Meter zum Parkplatz hinauf. Den Abend verbringen wir in unserem grünen Häuschen.

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