La Gomera

Am 1. Oktober fliegen wir von Sevilla nach Teneriffa Nord. Der Flug dauert ca. zwei Stunden und wir verbringen noch eine Zeit im Flughafen, bevor es weiter nach La Gomera geht. Dann steigen wir in ein kleines Flugzeug der Airline „Binger“, erheben uns in die Lüfte, lassen links den Teide liege, um nach kurzer Zeit auf dem Flughafen mit der kurzen Landebahn zu landen. Endlich! La Gomera, die Insel, von der ich schon viel gehört habe und auf die ich jetzt meine Füße setze. Die Landschaft erscheint zunächst karg, hohe Berge um uns herum. Der Bus, der auf den Kanaren „Guagua“ genannt wird, steht bereit und es geht in rasanter Fahrt die Serpentinen rauf und runter. Jetzt kann ich sehen, dass es hier ganz verschiedene Landschaften gibt. Grüne Wälder, rote, graue und braune Berge, je nachdem, wie sie von der Sonne angestrahlt werden. Üppige Blüten an den Bäumen und Sträuchern. Das Ziel ist das Valle Gran Rey. Wir bitten den Busfahrer uns in La Calera herauszulassen. Dort irgendwo liegt unsere Unterkunft für die nächsten zwei Wochen. Die Straße ist steil und wir haben einiges an Gepäck zu schleppen. Dann geht es noch die Treppen zwischen den Häusern hinauf, bis wir endlich vor dem gelben Haus mit der Ferienwohnung „Buena Vista“ stehen. Der Schlüssel steckt. Die Wohnung ist zweistöckig. Oben befinden sich zwei Schlafzimmer und das Bad. Es gibt zwei Sonnenterrassen und einen großen Wohnraum mit Küche. Nachdem wir uns im kleinen Supermercardo „El Chorro“ mit dem Nötigsten versorgt haben, gönnen wir uns im Restaurant „Mirador“ einen Abendimbiss. Hundemüde fallen wir in unsere Betten.

Der nächste Tag ist sonnig und heiß. Was gibt es Schöneres, als morgens den ersten Kaffee auf der Terrasse zu trinken und hinunter auf das blaue Meer zu schauen? Acki zeigt mir die Ortschaften des Valle Gran Rey und ich fange an zu verstehen, warum er es hier so liebt und immer wieder an diesen Ort kommt. Wir laufen durch Borbalán, kaufen uns im „Algo Diferente“ T-Shirts mit dem legendären Gecko und verweilen im Hafen von Vueltas. Unsere Runde endet in La Playa, an der kleinen Strandpromenade mit Blick auf den schwarzen Sandstrand. Hier ist nichts verbaut, es gibt keine hohen Hotelanlagen, die Häuser sind höchstens dreistöckig. Vom Strand aus bieten sie einen bunten, hübschen Anblick. Das Meer ist ruhig und warm. Abends treffen sich Hippies verschiedener Nationalitäten, um in der Bucht zu trommeln oder Spiele mit Feuer zu veranstalten. Wunderschön sieht es aus, wenn sich das Feuerrad im Anbruch der Dunkelheit dreht. Vor der dauerhaft geschlossenen und zum Kauf angebotenen, traurig darstehenden „Casa Maria“, sitzen die Menschen, staunen und genießen den Sonnenuntergang. Die Urlauber, die sich hier in den niedlichen Cafés und Restaurants aufhalten, sind überwiegend Deutsche. Leute, wie wir. Zwischendurch sieht man auch mal Familien mit Kindern. Die Herbstferien haben in einigen Bundesländern begonnen und so tummeln sich Groß und Klein in den Geschäften und am Strand. In den Läden wird deutsch gesprochen und in den Restaurants sind es oft unsere Landsleute, die bedienen oder die Besitzer sind. Zunächst finde ich das merkwürdig, gewöhne mich aber im Laufe der zwei Wochen daran und bin fast überrascht, als am spanischen Nationalfeiertag zu Ehren der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, zahlreiche Spanier die Insel füllen und mit ihren Familien laut feiern.

Zwei Tage nach unserer Anreise, treffen Angelika und Bruno aus Borken ein. Wir haben geplant, die nächsten zehn Tage gemeinsam die Insel zu erkunden. Nachdem wir die beiden vom Bus abgeholt haben, tragen wir das Gepäck in unsere Wohnung am Berg. Ist man einmal da oben, hat man keine Lust mehr erneut den Abstieg nach ganz unten zu machen. La Calera, das sogenannte Treppenviertel, hat mehrere Restaurants zur Auswahl und so steigen wir einige Treppen wieder hinab, um erneut im „Mirador“ zu essen. Aus der geplanten Selbstversorgung wird in den nächsten Tagen nichts. Wir schaffen es gerade ein Mal, uns etwas zu kochen, ansonsten genießen wir die gute kanarische Küche, die vielfältig, lecker und nicht zu teuer ist. Am Sonntag ist für Geli und Bruno ein besonderer Tag. Sie feiern mit uns ihren 25. Hochzeitstag! Zum Abendessen machen wir uns schick und klettern ein paar Stufen hinab zum wunderschönen Restaurant „La Orquidea“. Hier hat man eine herrliche Aussicht auf das Meer. Die Tage mit den Freunden vergehen wie im Flug. Große Wanderungen sind nicht geplant. Wir stromern durch die nähere Umgebung, klettern über die steinige Küste zur „Schweinebucht“ und merken bald, dass es zu weit ist. Bruno und Acki steigen an einem Tag hoch nach Arure, Geli und ich dafür hinab ins Tal, um ein Bad im Atlantik zu nehmen. Ein gemeinsamer Ausflug mit Pedelecs wird ein außergewöhnliches Erlebnis. Um Akkuleistung zu sparen, fährt uns ein Taxi die ersten 1000 Höhenmeter hinauf. Ab hier sausen wir die steilen Straßen hoch und runter, erblicken Roque de Agando und durchqueren den Nationalpark Garajonay. Hier oben ist die Luft kühl. Die großen Lorbeerbäume spenden Schatten und die Luft riecht nach Gewürzen. Lorbeerwälder gab es vor der Eiszeit in ganz Europa. Sie verschwanden nach und nach und blieben gücklicherweise auf einigen Kanarischen Inseln erhalten. Zu diesem Park gibt es eine traurige Liebesgeschichte zu erzählen. Die Guanchenprinzessin Gara von La Gomera liebte den Bauernjungen Jonay aus Teneriffa. Jeden Tag legte der Jüngling den weiten Weg über das Meer zurück, um seine Geliebte zu sehen. Ihre Liebe stand aber unter einem schlechten Stern. Ein Priester hatten ihnen Unheil vorausgesagt. Die Verbindung war also unerwünscht und wurde von den Familien verboten. Die beiden hatten sich aber ewige Liebe geschworen. Sie sahen nur einen Ausweg – den gemeinsamen Tod. Sie flüchteten ins Hochland von La Gomera, rammten sich eine Holzlanze durch ihre Herzen und starben eng umschlungen. So erhielt der heutige Nationalpark den Namen Garajonay. Nachdem wir die Räder zurückgegeben haben verbringen wir den Abend im Tal und beenden ihn mit einem Besuch in der Cacatua Bar, einer wirklich schönen Location in Vueltas. Geli und Bruno reisen einen Tag eher ab, um die letzte Nacht auf Teneriffa zu verbringen. Ihr Flugzeug nach Hause hebt bereits am Sonntagmorgen ab. Wir begleiten die beiden zum Busbahnhof und schlendern dann noch einmal nach La Playa. In der Bucht erwartet uns ein ungewöhnliches Schauspiel. Meterhohe Wellen donnern auf den kleinen Strand. An Schwimmen ist heute nicht zu denken. In meinem Lieblingscafé, der Pastelaría mit dem besten Kuchen, beobachten wir das Spektakel eine Weile, bevor wir zum letzten Mal die steile Straße und die vielen Treppen steigen und uns auch auf unsere Abreise nach La Palma am nächsten Tag vorbereiten. Der Wecker klingelt um 06.30 Uhr. Der Bus fährt uns nach San Sebastian zum Hafen.

Auf Wiedersehen La Gomera!

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