Algarve – Costa de la Luz

In der Abgeschiedenheit des I Ka Hale treffen wir die Entscheidung, erst einmal ein Appartement oder eine Ferienwohnung zu mieten. Natürlich soll es nicht viel teurer werden als die Campingplätze, und deshalb dauert die Suche entsprechend lange. Dann werden wir aber fündig. Eine kleine Ferienanlage in der Nähe von Albufeira hat noch ein Studio für uns. Wir fahren nicht an der Küste entlang über Sagres und Lagos, sondern nehmen den Weg durch das Landesinnere. Auf einmal befinden wir uns in einer wunderbaren Landschaft, mit sanften Hügeln, Korkeichen, Eukalyptusbäumen und Pinien. Später gesellen sich noch Olivenbäume dazu. Es ist ein wahres Vergnügen die schmalen Straßen entlangzufahren und wir erfreuen uns an der Natur. Hin und wieder sieht man Stapel mit der abgeschälten Rinde der Korkeichen.

In der kleinen Ferienanlage „Balaia Sol“ ist das Studio ausgebucht, und so erhalten wir ein Appartement mit zwei Zimmern und einem großen Balkon. Die Anlage ist schon etwas älter, sehr gepflegt und hübsch. Nach dem Essen machen wir einen Abendspaziergang und sind etwas irritiert von der Umgebung. Wir suchen den Strand, finden stattdessen den „Strip“. Kneipen, Restaurants und Bars, hauptsächlich für britische Touristen gemacht. Und da sind sie auch schon. Scharenweise begegnen uns Menschen aus dem Vereinigten Königreich. Englisch ist die Sprache, die wir hier in den nächsten Tagen hören werden. Albufeira ist der Ballermann der Algarve. Was hier erst in den Sommermonaten los sein muss! Das „Balaia Sol“ liegt allerdings etwas abseits der Meile und wir gehen schlafen, wenn die feierwütigen Menschen losziehen.

Wir genießen das Leben in der Anlage und machen Ausflüge. Natürlich wollen wir die schönsten Strände der Algarve sehen. Lagos mit dem Aussichtspunkt Ponta da Piedade und den zwei Stränden Praia do Camilo und Praia Dona Ana sind unsere ersten Ziele. Ganz ehrlich? Es ist fürchterlich. Auch noch jetzt im September ist alles komplett überlaufen. Die Leute wollen am liebsten mit ihren Autos an den Strand fahren. Das geht natürlich nicht, es ist eine Steilküste, die Zufahrtswege davor im Chaos. Wir haben auf einem, für den Strandbesuch vorgesehenen, wenn auch etwas abgelegenen Parkplatz geparkt. Die Temperaturen gehen auf die 30 Grad zu, da kommt man schon mal ganz schön ins Schwitzen. Wie angenehm wäre jetzt ein Bad im Atlantik. Zum Praia do Camilo führt eine Holztreppe mit 100 Stufen. Am Strand aber kein Zentimeter zum Meer. Alles ausgefüllt mit Strandtüchern. Wir trippeln in die winzigen Lücken und gelangen zum künstlichen Tunnel, der diesen Strand mit dem Praia Dona Ana verbindet. Vorsicht Gegenverkehr! Hier sieht es nicht besser aus. Also gehen wir die 100 Stufen wieder nach oben und verschaffen uns einen schönen Ausblick über das Meer und seine felsige Steilküste vom Ponta da Piedade. Auf dem Rückweg stärken wir uns mit Lulas Grelhadas und Salat Algarve in einem kleinen Restaurant. Rings umher nur Hochhäuser. Das Essen ist lecker, und gesättigt wollen wir dem Badetag noch eine Chance geben. Das gelingt auch. Der Praia da Senhora da Rocha ist eine wunderbare kleine Bucht. Der Weg vom Parkplatz ist kurz und es sind keine Menschenmassen am Strand. Wir wagen es und nehmen unser erstes Bad im Atlantik. Das Wasser ist angenehm warm, kein Vergleich mit den Temperaturen der westlichen Atlantikküste Portugals. Vorm Schwimmen werfen wir noch einen Blick auf den Nachbarstrand, den Praia Nova, der auch durch einen Tunnel im Felsen zu erreichen ist. Ein wunderbarer weitläufiger Strand, ebenfalls von hohen Klippen umgeben. Es gibt aber keinen guten Schattenplatz und deshalb wählen wir lieber die kleine Badebucht nebenan. Zum Abschluss genehmigen wir uns ein Wasser in der Bar und denken über weitere Strandbesuche nach.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um sieben. Um halb neun treffen wir mit noch wenigen Menschen in Benagil ein. Auch am Strand geht es noch ruhig zu. Das Besondere an diesem Ort ist die zauberhafte Höhle, die sich hinter der Felswand befindet und ca. 100 Meter vom offiziellen Strand entfernt ist. Am Vormittag beginnen die Ausflugsbote mit den Besichtigungen, jetzt sind nur einige Standpaddler und mutige Schwimmer dort. Wir gehören zu den Schwimmern und sind begeistert.

Durch ein Loch in der Decke der Höhle fallen Sonnenstrahlen auf den sandigen Boden. Überall haben die Leute kleine Steinskulpturen aufgestellt. Wer mit dem Brett gekommen ist und einen Fotoapparat dabei hat, kann wunderbare Urlaubsbilder machen. Nach dem Schwimmen ziehen wir uns zurück und staunen, wie voll der Strand und der Parkplatz auf einmal sind. Bevor es zurück nach Albufeira geht, wandern wir eine Weile auf dem weitläufigen Felsplateau oberhalb der Küste, und können von hieraus auch nochmal einen Blick in das Innere der Höhle werfen.

Zurück im „Balaia Sol“ überlegen wir einen neuen Plan für unsere nächsten Tage. Die Gegend an der Algarve ist nicht so, wie wir sie uns vorgestellt haben. Die Lage und Bewertungen der Campingplätze sagen uns nicht zu. Wir fassen den Entschluss, noch zwei Tage in unserer netten Wohnung zu bleiben und einen weiteren Tagesausflug zu machen. Es bleibt noch eine Woche, bis wir unsere Reise nach La Gomera antreten. Zunächst aber machen wir uns für einen Ausflug in Richtung Faro auf. Die Stadt ist ca. 30 km von Albufeira entfernt. Wir treffen die sehr kleine Altstadt am Hafen ganz verschlafen an. Sie ist sehr überschaubar, ganz hübsch und das angrenzende Hafengebiet bietet einen netten Anblick. Nur wenige Urlauber sind unterwegs. Hier kann man sich gut aufhalten, wenn es einen nicht stört, dass ca. alle drei Minuten ein Flugzeug die Stadt überquert. Am Hafen erkundigen wir uns nach einer Bootstour in den Naturpark Ria Formosa. Während der Tour hat man die Gelegenheit, die Marschlandschaften, die Kanäle und Inseln zu erkunden und viele Vogelarten zu beobachten. Leider findet die Tour im traditionellen Fischerboot um 13.00 Uhr statt. Jetzt um 10.00 Uhr sind es schon 30 Grad. Das Boot ist nicht überdacht und wir scheuen uns vor der ungebremsten Sonne. Wir verlassen Faro und fahren Richtung Albufeira. Kurz vor unserem Urlaubsort halten wir in Olhos de Água, einem kleinen Örtchen mit Mini-Badebucht und schönem Strandrestaurant. Rote Felsen sind in der Ferne zu sehen und das Wasser glitzert unter einem blauen Himmel ohne Wolken.

Am Dienstag verlassen wir endgültig unsere Unterkunft und auch Portugal. Es ist interessant, sobald man den Grenzfluss Rio Guadiana überquert, ändert sich die Landschaft. Auch die Zeitzone ist eine andere und es ist eine Stunde später. In der Nähe von Huelva, im Nationalpark Coto de Donana, an der Costa de la Luz, finden wir einen Campingplatz mit direktem Zugang zum Meer. Schon beim Aufbauen des Zeltes fallen uns die vielen Mücken auf. Wir gehen erst einmal zum Wasser. Wow, was für ein Anblick! Ein kilometerlanger Strand, geschützt von Felsen. Nur vereinzelnd sind Menschen zu sehen. Es gibt Muscheln in Hülle und Fülle und wir sammeln einige schöne Exemplare, darunter auch kleine Jakobsmuscheln. Wir laufen durch die Abendsonne und springen zwischendurch in den warmen Atlantik. Leider wird die Freude über Strand und den schönen Platz getrübt. Beim Kochen und Abendessen fallen dann die Mücken scharenweise über uns her. Wir kriechen um 20.00 Uhr ins Zelt. Am Morgen lauern sie schon vor den Zeltfenstern und noch vor dem Frühstück bauen wir in Windeseile alles ab und verlassen fluchtartig die Gegend. Adiós Atlantico, wir machen eine Pause von dir!

Der Weg führt ins Landesinnere, Richtung Sevilla. In El Rocío machen wir Stopp zum Frühstücken. Die weiße Kirche und die kleinen Häuser rundherum fielen uns von der Straße auf. Bei der Einfahrt ins Dorf haben wir den Eindruck in einer Westernstadt gelandet zu sein. Pferdekutschen fahren herum und vor der Kirche Ermita del Rocío haben sich einige Menschen versammelt. Die Recherche im Internet ergibt, dass El Rocío über die Grenzen Spaniens hinaus ein bekannter Wallfahrtsort ist. Zu Pfingsten kommen über eine Million Pilger in das kleine Örtchen und ehren die Heilige Jungfrau von El Rocío. Über 100 Bruderschaften aus ganz Spanien und dem Ausland reisen dann an. Jetzt stehen die Häuser im Ort leer und alles macht einen verlassenen Eindruck.

Wir wählen einen Campingplatz in der Nähe von Sevilla. Hier ist es international und die meisten Menschen übernachten hier, um sich die Stadt anzuschauen. Andalusien und die Besichtigung aller sehenswerten Städte findet für uns erst im November statt. Wir nutzen die Zeit hier ausschließlich zum Entspannen. Der Platz ist nett, es gibt einen Pool und vor allem nur wenige Mücken!

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