Cidade das sete colinas

Am Morgen hat Acki den Einfall, das Auto in Sintra zu lassen und mit dem Zug nach Lissabon zu fahren. Wir fragen José, ob das möglich sei. Er stimmt zu und bestellt uns ein Taxi zum Bahnhof. Die Zugfahrt ist angenehm, kostet auch nur 2,55 pro Person und so erreichen wir sehr entspannt nach 45 Minuten den Bahnhof Rossio. In einem Café stärken wir uns und versuchen uns zu orientieren. Das gebuchte Hostel liegt etwa 2 km entfernt und wir lassen uns mit dem Tuk Tuk fahren. Es geht über die riesige Avenida da Liberdade, rechts und links nur die teuersten Läden. Wir sind sehr froh, dass wir ohne Auto sind. Der Verkehr ist heftig! Am Hostel angekommen erfahren wir, dass unsere Reservierung aus unerklärlichen Gründen gecancelt wurde. Das Hostel ist voll, zumindest für diese Nacht. Für die folgenden drei Nächte gibt es aber glücklicherweise wieder Zimmer. Die junge Frau an der Rezeption telefoniert ein wenig herum und findet ein kleines Zimmer in einem Hotel in der Nähe. Am Abend machen wir uns zu Fuß auf den Weg in die Altstadt, wieder über die Liberdade. Es ist eine rutschige Angelegenheit, denn der Basaltboden ist glatt. Die Stadt ist voller Menschen, meistens Franzosen oder Amerikaner, einige Deutsche sind aber auch unterwegs. So kommt es, dass im Restaurant ein Pärchen neben uns Platz nimmt, das doch tatsächlich auf „Alltours“ anstößt, froh über die deutsche Menükarte ist, trotzdem etwas Falsches bestellt und nörgelt. Etwas angestrengt beenden wir unser Essen und machen uns auf den Heimweg. Für den nächsten Tag ist klar, dass es ohne öffentliche Verkehrsmittel nicht möglich ist, sich in der Stadt zu bewegen. Lissabon ist groß, die Temperaturen liegen bei 30 Grad, und wir sind noch erschöpft von unserer Klettertour in Sintra.

Das Viertel in dem wir wohnen hat eine gute Lage. Die Innenstadt ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestens zu erreichen. Diesmal nehmen wir den Bus und holen uns am „Welcome Center“ die Lisboa Card für drei Tage. Wir nutzen sie ausschließlich für unsere Fahrten mit dem Bus oder der Tram. Sie hat aber noch mehr zu bieten, wenn man Museen besuchen möchte. Auch der Aufzug, der Elevador de Santa Justa von der Unterstadt Baixa zur Oberstadt Chiado ist inbegriffen. Das Welcome Center liegt am Hafen von Lissabon, der an den Ufern des Tejos liegt. Hier ist ein Anlaufpunkt für Sportschiffe aber auch für Kreuzfahrschiffe, Alltours lässt grüßen. Für uns ist das nichts und wir machen uns auf nach Alfama, dem Stadtteil zwischen dem Castelo de Sao Jorge und dem Tejoufer. Alfama stellte einst den Stadtkern Lissabons dar und war ein im Mittelalter eingerichtete Viertel für die maurische Bevölkerung. Während die Reichen irgendwann Richtung Westen zogen, blieben Fischer und ärmere Leute in Alfama. Während des Erdbebens von Lissabon 1755 nahm dieses Stadtviertel kaum Schaden, so dass die engen Gassen noch erhalten sind. Es finden sich dort zahlreiche Restaurants, Cafés und kleine Läden. Auch heute wohnen hier noch die weniger wohlhabenden Menschen. Wir lassen uns durch die engen Straßen auf und ab treiben und genießen die Ruhe, die hier zum Teil herrscht. Vielleicht ist es für viele Touristen zu anstrengend die kleine Wege und engen Treppen zu steigen. Wir genießen es!

Am Abend bleiben wir in unserem Viertel. Dort haben wir ein kleines Wein- und Tapas Restaurant entdeckt. Wir kommen mit der sehr interessanten Besitzerin ins Gespräch. Sie gibt uns Tipps und erzählt, dass es noch vor zwei bis drei Jahren viel ruhiger in Lissabon zuging. Heute ist die Stadt laut und voll, und viele Bewohner sind genervt durch den großen Andrang von Touristen.

Samstag fahren wir mit der Fähre über den Tejo und merken bei der Ankunft in Barreiro, dass es hier nichts zu entdecken gibt. Schnell wieder zurück aufs Schiff. Vom Wasser aus hat man einen schönen Blick auf die Stadt und auf Christo Rei, der sich von Almada mit ausgestreckten Armen Lissabon zuwendet. Also doch nicht alles umsonst! Danach bummeln wir durch Chiado. Es gibt einen schönen Laden für Geschirr und ich möchte mir Tapasschälchen kaufen. Es ist der Tag vor meinem Geburtstag. Da wir reinfeiern wollen, bringen wir unsere Einkäufe nach Hause und ruhen uns noch eine Weile im Hostel aus. Der Plan ist, das neue Trendviertel LX Factory aufzusuchen, um dort den Abend zu verbringen. Auf dem Weg dorthin, essen wir in einem Restaurant außerhalb der Touristenviertel zu Abend. Und tatsächlich, es gibt sie noch, die günstigen Restaurants mit frischem Fisch zu guten Preisen. Diesmal fahren wir mit der Bahn und überlegen spontan eine Station weiter auszusteigen, um noch den Torre de Belém am Ufer des Tejos im Abendlicht zu besichtigen. Die Station heißt Belém, doch der Torre ist noch 2 km entfernt und wir verwerfen den Gedanken. Stattdessen schlendern wir entlang des Tejos und kommen zufällig am Maat vorbei, dem Museum für Kunst, Architektur und Technologie mit seiner außergewöhnlichen Architektur. Auch in der Nacht schimmern die angestrahlten weißen Fliesen. Auf den Treppenstufen sitzen verliebte Pärchen in der lauen Sommernacht. Wir suchen eine Bar, denn es geht auf Mitternacht zu. Kurz vor zwölf, wie zu meinen Ehren, erhellt ein Feuerwerk den Nachthimmel. Schließlich finden wir am Yachthafen, unter der Brücke „Ponte 25 de Abril“ eine Bar mit Livemusik. Wer hätte das gedacht, ich bekomme um 00:00 Uhr sogar ein Ständchen. Was für ein perfekter Start in meinen Geburtstag!

Die LX Factory liegt auch unter der Brücke Richtung Innenstadt und ist zu Fuß nicht so einfach zu erreichen. Wir finden schließlich einen Tunnel für Fußgänger unterhalb der Schnellstraßen und entdecken dort zahlreiche Graffiti. Endlich sind wir vor Ort und werfen einen Blick in die neue Trendlocation Lissabons. 1849 befand sich auf diesem Gelände eine Textilfabrik. Sie war ein großer Arbeitgeber für Lissabon. Nachdem sie aus wirtschaftlichen Gründen ihre Tore schließen musste, nutzte eine Druckerei einen Teil dieses Gelände. Als auch diese schließen musste, stand der gesamte Gebäudekomplex lange Zeit leer und verkam immer mehr. 2007 kaufte ein Investor das Gelände, um es in einen Ort der Kreativität zu verwandeln. Jetzt findet man hier Restaurants, Bars, Geschäfte und Büros. Es gibt einen tollen Buchladen in der ehemaligen Druckerei. Wir beschließen eine ausführliche Besichtigung am nächsten Tag zu machen und nehmen ein Taxi zurück zum Hostel, denn Bus und Bahn haben ihre Fahrten bereits eingestellt. Am Sonntag wollen wir uns erneut in die überfüllte Altstadt wagen. Vorher schauen wir aber noch einige der Graffiti an, die in unerem Wohnviertel liegen. Lissabon ist bekannt für seine Street Art Szene. An einigen Hauswänden leerstehender Häuser und in Industriegebieten findet man die riesigen Arbeiten von Künstlern aus aller Welt. Im Anschluss bringt der Bus uns Richtung Altstadt und wir machen uns auf den Fußweg hoch zum Castelo de São Jorge. Diese Burg ist eine alte Maurenfestung aus dem 11. Jahrhundert. Auch von hier hat man einen schönen Ausblick über die Stadt. Wir sparen uns allerdings den Eintritt, abgeschreckt von dem Andrang der Leute. Eine Touristenattraktion lassen wir uns nicht nehmen: Die Fahrt mit der Tram 28 und zwar einmal von Anfang bis Endstation. Sie startet am Platz Martim Moniz und endet am Campo Ourique. Wir quetschen uns in die überfüllte Bahn und rühren uns nicht vom Fleck hinter dem Fahrer. So hat man einen guten Blick auf die Strecke. Interessant ist es auch zu beobachten, wie der Bahnlenker die Drehknöpfen und Hebel der historischen Tram bedient. Achtung, gut festhalten! Durchgeschüttelt, rauf und runter fahren wir durch die Viertel Alfama, Baixa und Estrela. Die Straßenbahnen stammen noch aus den 1930er Jahren und sind ein wirklicher Hingucker. Besonders schön ist, dass wir auf dem Weg in die LX Factory den „Schlafplatz“ aller Straßenbahnen entdeckt haben. Ab 23.00 Uhr ist dort das Nachtlager, bevor es morgens um 06.20 Uhr wieder an die Arbeit geht.

An diesem Tag machen wir uns etwas früher auf den Weg in die Factory. Wir essen sehr lecker asiatisch in einem interessanten Restaurant zwischen den alten Druckmaschinen. Der Bus wird diesmal von uns erreicht und wir sagen: „Boa noite Lisboa“.

Lissabon, die Stadt auf den sieben Hügeln, ist eine eindrucksvolle und interessante Stadt. Schade, dass sie vermutlich zu keiner „angenehmen“ Jahreszeit leerer sein wird. Die vielen Touristen sind sehr anstrengend und es geht natürlich auch ein Stück Ursprünglichkeit damit verloren. Wir sind fast ein wenig erleichtert, als wir uns am Montag wieder in den Zug nach Sintra setzen. Wir haben das Gefühl erstmal Urlaub zu brauchen. Unser Auto wartet auf uns, und wir fahren Richtung Algarve. Aus dem Auto buchen wir uns eine abgelegene Unterkunft für eine Nacht. Das I Ka Hale, ein Hostel mitten in der Pampa, in der Nähe von Vila Nova de Milfontes. Mit Dieter aus Deutschland sind wir die einzigen. Dieter spricht nicht und ist auch die ganze Zeit unterwegs. Wir haben Haus und Küche für uns alleine und planen unsere nächsten Aufenthaltsorte.

2 Comments

  1. Liebe Almut – ach jaaa, Lisboa – aber auch im Mai war es schon unglaublich voll – an vielen Stellen drängelte man sich.
    Schön auf Euren Fotos Bekanntes wieder zu entdecken. Habt eine weitere tolle Zeit!!! Liebe Grüße,
    Heide

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